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MiFID II – Umsetzung der Qualitätsverbesserung durch Informationstool

Nach langer Zeit der Ungewissheit hat das Bundesfinanzministerium Anfang Mai den aktuellen Entwurf zur nationalen Umsetzung der MiFID II-Richtlinie veröffentlicht. Nachdem kurz zuvor vom Bundestag das 2. FiMaNoG beschlossen wurde, ist der Entwurf der Wertpapier-Dienstleistungs-Verhaltens- und Organisationsverordnung (WpDVerOV), einer Verordnung zum WpHG, von uns und vielen andere aus der Branche mit Spannung erwartet worden, da sie zum ersten Mal konkretere Maßnahmen zur Umsetzung von MiFID II enthält.

Nur mit konkreten, qualitätsverbessernden Maßnahmen dürfen weiterhin Provisionen vereinnahmt werden

Die Verordnung stellt den entscheidenden Teil zur Umsetzung der EU-Richtlinie MiFID II (MiFID II Richtlinie - ein Überblick) in nationales Recht dar. Vor allem eine grundsätzliche Notwendigkeit und Konkretisierung qualitätsverbessernder Maßnahmen zur weiteren Vereinnahmung von Provisionen wurde von vielen Branchenteilnehmern mit Spannung erwartet. Es war also zu klären, ob man bei einer Anlageberatung Provisionen ohne konkrete Qualitätsverbesserungen weiter vereinnahmen darf. Bisher war zwar eine Qualitätsverbesserung theoretisch auch schon notwendig, um Provisionen weiter zu verrechnen, jedoch waren die Verbesserungen so unkonkret definiert und geprüft worden, dass sie de facto nicht existierten. Es genügte in der Praxis beispielsweise Newsletter an Kunden zu senden.

Da im vorausgehenden Entwurf die Konkretisierung der Qualitätsverbesserung im Wertpapierhandelsgesetz nicht enthalten war, herrschte an dieser Stelle lange Unklarheit. Diese ist mit dem aktuellen Entwurf nun relativ deutlich beseitigt worden.

In dem aktuellen Entwurf wurden die Vorgaben der Delegierten Richtlinie der Europäischen Kommission (EU) vom 7. April 2016 größtenteils übernommen. Demnach sind Provisionen weiterhin grundsätzlich verboten und nur erlaubt, wenn sie zur konkreten Qualitätsverbesserung der Dienstleistung für den Kunden eingesetzt werden. Nicht nur, dass die Qualitätsverbesserung allgemein als notwendig vorgeschrieben wurde, eine konkrete Umsetzung ist nun erforderlich.

Qualitätsverbesserung durch Einsatz von Informationstools und IT-Tools zur Portfoliostrukturierung für den Endkunden

Als konkret qualitätsverbessernd ist laut der Verordnung vor allem der Einsatz von IT-Tools in Verbindung mit der Beratung anzusehen, die beim Kunden die Portfoliostrukturierung optimieren. Des Weiteren ist in dem Entwurf von Qualitätsverbesserung durch Informationstools die Rede. Diese Informationstools sollen den Endkunden in die Lage versetzen alle Informationen zu seinem Vermögen zu erhalten, um dann aus einer breiten Palette von Finanzinstrumenten die geeigneten für seine Anlage zu wählen. Eine digitale Infrastruktur wird für die wachsenden Anforderungen also immer wichtiger. Laut Experten wird es bis zum Inkrafttreten des Gesetzes keine detailliertere Konkretisierung der Qualitätsverbesserung mehr geben, die Notwendigkeit und Richtung der Qualitätsverbesserung, die eindeutig den Einsatz einer digitalen Unterstützung in der Kundenbetreuung fordert, um Transparenz für diesen zu schaffen, scheint dagegen klar zu sein.

Nächster Entwurf für Ende Juni erwartet

Der Entwurf des Bundesfinanzministeriums befindet sich nun in der Konsultation, die voraussichtlich am 30. Juni 2017 abgeschlossen sein soll. Dies ist die entscheidende Weiche zum Inkrafttreten von der MiFID II-Richtlinie in deutsches Gesetz Anfang 2018.

Bis dahin bleibt es weiterhin spannend. Es ist nun jedoch klarer geworden, dass die Branche und jeder einzelne Anlageberater einer großen Herausforderung gegenüberstehen, die Qualitätsverbesserungen profitabel in ihren Prozess zu implementieren. Jede Veränderung bietet jedoch auch die Chance neue Entwicklungen als „First Mover“ zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen.

 

Haben Sie eine Frage bezüglich MiFID II, dem Einsatz eines Informationstools oder den Auswirkungen auf ihr tägliche Arbeit? Gerne stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite!

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